Nepper, Schlepper, Bauernfänger

Caloosa

Well-Known Member
#1
Heute muss ich doch mal meine Entsetzen verbal loswerden.

Sicherlich gibt es auch hier einige Mitglieder, die eventuell mal andenken, sich in Florida eine Ferienimmobilie anzuschaffen. Vorsicht! Es gibt noch unglaubliche Abzocke. Natürlich werde ich keine Namen nennen....

Und nun konkret. Auf Immobilienscout24 wird von einem deutschen Makler, der Mitglied des IVDs ist, ein Haus in Cape Coral für € 1.495.000 angeboten. Zusätzlich zum Kaufpreis erlaubt er sich, nach Vertragsabschluss eine Provision in Höhe von 5 % zzgl. Umsatzsteuer zu berechnen. Und genau darüber bin ich gestolpert, weil ich weiss, dass in der Regel in Florida für den Käufer keinerlei Provision anfällt. Ich habe ihn kontaktet und mir ein Exposé zuschicken lassen, in dem alles prima aufgelistet ist. Zufälligerweise kenne ich das Haus vom sehen. Also habe ich im MLS gesucht und habe doch tatsächlich diese Immobilie gefunden. Für einen Preis in Höhe von $ 1,495,000. Geht also ein deutscher Kaufinteressent an den amerikanischen Makler, würde er für das Haus diesen Preis ohne zusätzliche Maklerprovision bezahlen. Lassen wir mal ausser acht, dass der Preis sicherlich noch runtergehandelt werden kann, so stellt sich die Rechnung wie folgt dar:

€ 1.495.000,00 Kaufpreis
€ 74.750,00 Provision
€ 14.202,50 Umsatzsteuer auf Provision
€ 1.583.925,50 Gesamtkaufpreis

Umrechnungskurs 1 € = 1.35587 $

$ 2,147,371.43 Gesamtkaufpreis

Gegenrechnung zum Verkauf in den USA durch einen in Florida zugelassenen Makler:

$ 1,495,000.00 = € 1.102.616,74 (Provision zahlt der Verkäufer)

€ 1.583.925,50 deutscher Preis gegenüber
€ 1.102.616,74 amerikanischer Preis in € umgerechnet.

Ein deutscher Käufer zahlt also einen Betrag in Höhe von € 481.308,76 MEHR, wenn er über diesen deutschen Makler geht, als wenn er direkt über einen in Florida lizenzierten Makler das Geschäft abwickelt.

Dafür muss eine alte Frau aber lange stricken.

Ich werde übrigens morgen den IVD ansprechen und eine offzielle Beschwerde anbringen. Das Beispielt fällt für mich unter die Rubrik "Nepper, Schlepper, Bauernfänger".

Also - wendet euch lieber an einen in den USA lizenzierten Makler, falls ihr mit dem Gedanken spielt, euch eine Ferienimmobilie in den USA respektive Florida anzuschaffen. Weiterhin gibt es auch hier sicherlich Mitglieder, die kompetent, professionell und seriös als lizenzierte Makler ihr Geschäft betreiben.

In diesem Sinne noch einen schönen Abend und liebe Grüße
Thorsten
 

Caloosa

Well-Known Member
#2
Nachgang:

Ich habe diesen deutschen Immobilienmakler mit den Zahlen per E-Mail heute nachmittag kontaktiert. Es kam bisher kein Feedback, ich habe aber gerade entdeckt, dass er ganz stickum den Preis für dieses Haus auf € 1.145.000 gesenkt hat.... aber auch mit dieser Rechnung zahlt man immer noch einen Betrag in Höhe von roundabout € 111.000 mehr, als wenn man direkt zu einem amerikanischen Immobilienmakler gegangen wäre. Entweder hat er einen falschen Verkaufspreis reingesetzt oder aber mein Hinweis, diesen Tatbestand dem IVD zur Kenntnis zu bringen, hat ihn dazu veranlasst... whatever... auch 111Tausend sind nach wie vor eine Differenz, über die sich nachzudenken lohnt.

Liebe Grüße
Thorsten
 

Ali G.

Well-Known Member
#3
Man soll ja die Hoffnung nie aufgeben, aber das Sprichwort sagt nichts über "Befürchtungen", somit darf ich also ungestraft "befürchten", dass ich wohl (LEIDER) nicht in die Verlegenheit komme werde, diese Problem zu haben...:043:


Trotzdem:
Danke für Deinen Hinweis!
 

Tom

Florida-Beginner
#4
Na ja, ein Haus in CC für $ 1,495,000.00 fällt schon alleine in die Rubrik Nepper, Schlepper, Bauernfänger. :093: Da gibt es fürs Geld bessere Ecken.

Du hast aber vergessen das die Makler ein Sharing der 6% machen. Da der Verkäufer die Prov. bezahlt, bekommt ein Vermittler i.d.R. 3% ab, wenn er den den Deal mit den Makler macht, der das Haus gelistet hat.
 

Caloosa

Well-Known Member
#5
Na ja, ein Haus in CC für $ 1,495,000.00 fällt schon alleine in die Rubrik Nepper, Schlepper, Bauernfänger. :093: Da gibt es fürs Geld bessere Ecken.

Du hast aber vergessen das die Makler ein Sharing der 6% machen. Da der Verkäufer die Prov. bezahlt, bekommt ein Vermittler i.d.R. 3% ab, wenn er den den Deal mit den Makler macht, der das Haus gelistet hat.
Ein deutscher Makler wird den Deal aber nicht mit diesem Split machen, sondern höchstens ein Referral Fee (Vermittlungsprovision) bekommen.

Na ja... dann gibt es aber viele Bauernfänger in Cape Coral, denn die Objekte über eine Mio sind nicht so selten anzutreffen, gerade in den guten Lagen in Cape Harbour und direkt am Fluss....

Liebe Grüße
Thorsten
 

Sunpower77

Well-Known Member
#6
Hm, Cape Coral ist in den ganzen USA bekannt als der Ort, wo die Deutschen die Deutschen beschei..en - anscheinend nicht mal zu Unrecht...

Vielen Dank für diese ausführliche Recherche!!!!
 

Caloosa

Well-Known Member
#7
Hm, Cape Coral ist in den ganzen USA bekannt als der Ort, wo die Deutschen die Deutschen beschei..en - anscheinend nicht mal zu Unrecht... Vielen Dank für diese ausführliche Recherche!!!!
Ich sehe das etwas differenzierter. Wer ohne sich zu informieren einen Preis einfach so akzeptiert, muss halt immer viel Lehrgeld zahlen, egal welcher Nationalität er angehört... Der amerikanische Teil, der in diesem Zusammenhang auftaucht, hat allerdings alles andere als einen guten Ruf in Lee County. Auf der anderen Seite scheint es aber noch genügend Menschen zu geben, die einfach so blind und unwissend Immobilien in einem anderen Land erwerben wollen, ohne sich detailliert mit dem Hintergrund zu beschäftigen. Ansonsten wäre er ja nicht mehr im Geschäft. Dazu kann ich dann wirklich nur sagen: Selbst schuld!

Und der erste Satz ist halt eine Pauschalierung, die ich so nicht stehen lassen kann und will. Schwarze Schafe gibt es überall. Deutschland ist übrigens auch bekannt dafür, dass die Deutschen die Deutschen bescheissen! Was also soll uns das jetzt bitte sagen? Betrogen wird halt überall. Lass uns lieber Dinge hinterfragen und nicht, weil eine Person etwas überzeugend darstellt, blind daran glauben. Das hilft schon sehr viel weiter... :lach:u.a. auch bei Immobiliengeschäften, in welchem Land auch immer.:043:

Was aber Cape Coral generell angeht, so ist die ganze Stadt auf Lügen aufgebaut, wenn man der Geschichtsschreibung glauben schenken darf. Was da in den Anfangsjahren an Bodenspekulation getrieben wurde, ist übrigens in einem Buch mit dem Titel "Lies That Came True" recht amüsant, lesenswert und deutlich beschrieben...

Amazon.com: Selling The Dream: The Gulf American Corporation and the Building of Cape Coral, Florida: David Dodrill: Books

http://www.netleader.com/liesthatcametrue/


Liebe Grüße
Thorsten
 
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