Walmart

Gerda

Well-Known Member
#21
Huhu Claudia, danke fürs Abtrennen des Themas vom Einkaufs-Thread. :Danke:
Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied das es in D zusätzlich ein soziales Netz existiert was dem Namen wenigstens halbwegs gerecht wird - so können Personen die mit dem Mindestlohn nicht ausreichend verdienen zu sogenannten "Aufstockern" werden und zusätzlich zu ihrem geringen Arbeitslohn Sozialleistungen vom Staat bekommen.
Die Unterschiede sind noch ganz anderer Art. Etwa der Art, dass Arbeitgeber sich in den USA nicht der gesetzlichen Zuzahlung zur KV entziehen können, indem sie ihre Mitarbeiter auf Teilzeit setzen. Vor allem aber gibt es in Deutschland ein steuerfreies Existenzminimum, soweit ich informiert bin, während in den USA schon der erste verdiente Dollar versteuert werden muss.
Das ist meines Wissens in den USA nicht so und insofern sind die Mindestarbeitslöhne in beiden Ländern durch die unterschiedlichen Randbedingungen nicht einfach 1:1 über den Betraf vergleichbar.
Das trifft nicht nur auf die Mindestlöhne zu. Löhne hüben und drüben sind generell nicht 1:1 vergleichbar. Man muss in den USA erheblich mehr Geld verdienen, um ähnliche Absicherung zu erreichen wie in Deutschland.
Das hast Du so sicher nicht ausgedrückt und Gerda hat es auch sicher drastisch formuliert, aber Deine Aussage ließ auch durchaus Interpretationsspielraum in dieser Richtung zu. Wenn es nicht so gemeint war, dann sollte die Formulierung vielleicht etwas klarer gewählt werden.....
Klar habe ich paraphrasiert und überspitzt, aber der Kern der Aussage blieb ja da. Nur weil man die Aussage "vorsichtig formuliert" wird sie nicht weniger verächtlich.
Das wirft natürlich die Frage auf, warum dann überhaupt noch Leute bei Wal-Mart anfangen, wenn es bei den anderen Ketten so viel besser ist. Da könnte man glatt auf den Gedanken kommen, dort gehen nur die hin, welche sie bei Aldi, Publix etc. nicht haben wollten; auch wenn man das vielleicht nicht ganz so despektierlich ausdrücken will wie Goofy.
Wäre pure Verzweiflung für Dich ein nachvollziehbares Motiv? Hier hat im Sommer in Kenwood ein neuer Walmart eröffnet, und die sind von Bewerbern geradezu überrannt worden: Florida hat eine faktische (nicht offizielle) Arbeitslosenquote im Bereich von 25 bis 30%. Und Arbeitslosengeld und Sozi werden in den USA anders als in Deutschland nicht unbegrenzt ausgezahlt. Hier ist das Arbeitslosengeld meist auf sechs Monate beschränkt (in Deutschland ist es, wenn ich nicht irre, mindestens ein Jahr), und die Sozi hat für Erwachsene eine "Lebenszeitbeschränkung" auf fünf Jahre. Wer also im Verlauf seines Erwachsenenlebens bereits fünf Jahre Sozi bezogen hat, der guckt in die Röhre (das ist ein Relikt der Clinton-Zeit, leider). Was sollen die Leute denn machen, wenn die Stellen rar sind und kein Geld da ist und außer Walmart niemand einstellt? Wer es sich leisten kann, der wird zumindest zum Teil ans College (zurück)gehen, um seine Qualifikationen zu verbessern, aber wer kann das schon? Eine akademische Ausbildung in den USA ist allen "Student Loan"- und "Financial Aid"-Programmen zum Trotz nach wie vor eine Sache für Leute, die Geld haben. Wer Geld hat, der arbeitet aber nicht bei Walmart, sondern zieht im Zweifel um in eine Region, in der die Arbeitsmarktlage besser ist. Unter Umständen kauft der aber bei Walmart und trägt damit zur weiteren Walmartisierung des Landes bei.
Was wäre denn die Alternative – Arbeitslosigkeit? Nun, vielleicht ist genau das der Fehler im System. Hierzulande wären sich viele Menschen für Arbeit unter solch miserablen Bedingungen zu schade, weil ihnen der Staat ein gewisses Auffangnetz bietet, welches es eben in den USA so nicht gibt. Und das nutzt WM offenbar ebenso schamlos aus, wie besagte Menschen hier das soziale System ausnutzen.
Walmart nutzt das nicht nur aus, Walmart treibt es voran.
Aber, ohne jetzt von WM ablenken zu wollen – wie sieht es denn mit der Bezahlung z. B. bei McDonald´s aus? Werden die Beschäftigten dort nicht auch mit Hungerlöhnen abgespeist?
Ich weiß nicht, was McD zahlt, vermutlich auch Mindestlohn. Das ist allerdings auch eine Kette, die ich mir allenfalls von außen angucke. Zugegeben, vor zwei Jahren habe ich mir da mal 'nen Eistee geholt.
Das mit den Versicherungen wusste ich bisher nicht. Schon erstaunlich, auf was für Ideen manche Arbeitgeber kommen. Meiner bietet eine Vorsorgekasse für den Todesfall, damit man anständig unter die Erde kommt, und Wal-Mart bereichert sich noch dran… Ziemlich perfide.
"Perfide" trifft es wunderbar.
Was die Herkunft der Artikel betrifft: da ich bisher außer mal nem T-Shirt oder nem Pack Socken kaum was anderes als Lebensmittel bei WM gekauft habe, habe ich da noch nie drauf geachtet. Bei den erwähnten Marken bin ich einfach mal davon ausgegangen, dass sie US-amerikanischer Herkunft sind.
Es waren vermutlich amerikanische Marken, aber hergestellt wurden die Sachen ganz sicher in China oder Bangladesch oder Indien. Ich bin sicher, dass es bei Walmart kein einziges Stück Textil gibt, das nicht in einem Niedrigstlohnland unter unwürdigsten Bedingungen hergestellt worden ist.
also ich finde solche Diskussionen haben eigentlich in diesem Forum nichts zu suchen.
Zum Glück haben wir hier aber keine Themenzensur. :001: Und Tehmen oder Beiträge, die Dich nicht interessieren, die musst Du ja nicht lesen. Ich lese hier auch viele Themen nicht.
Zunächst kann ja jeder zum Glück da einkaufen wo er es besonders toll findet.
So ist es, und so soll das auch bleiben. Aber darf man sich deswegen nicht darüber informieren, was hinter den Kulissen mancher Läden stattfindet, wenn man das gern möchte? Muss man, nur weil man im Urlaub ist, Scheuklappen tragen? Es gibt Menschen, die reisen nach Südafrika und schauen sich dort nicht nur den Krüger-Nationalpark, die herrlichen Weingüter, den Tafelberg und die wunderschöne viktorianisch geprägte Innenstadt von Kapstadt an, sondern unternehmen auch eine Tour in die Townships. Man einer interessiert sich eben auch für die "dunkle" Seite seines Ziellandes. Es bleibt Dir unbenommen, nur auf die Sonnenseite zu schauen und nur das zu sehen, was Du sehen möchtest. Aber erlaub doch bitte anderen, das anders zu handhaben. :001:
 

BiMi

Moderator
Moderator
#22
Danke Gerda!

Wir haben eine Bekannte, die arbeitet aus der Not heraus in einer Burgerkette, weil sie bisher keinen anderen Job in ihrer Gegend belommen hat. Verdient gerade mal etwas über 8,00 $ die Stunde und hat im 1. Jahr 0 Anspruch auf Benefits. Sprich keine KV und keinen bezahlten Urlaub, bzw. Krankheitstage. Eine KV kann man aber bei dem Gehalt selbst gar nicht bezahlen.
 

Goofy

Well-Known Member
#25
....Es waren vermutlich amerikanische Marken, aber hergestellt wurden die Sachen ganz sicher in China oder Bangladesch oder Indien. Ich bin sicher, dass es bei Walmart kein einziges Stück Textil gibt, das nicht in einem Niedrigstlohnland unter unwürdigsten Bedingungen hergestellt worden ist....
Diese Aussage ist wohl auf die Mehrzahl der Kaufhäuser in den USA als auch in Deutschland, Frankreich, England , .....u.s.w. anwendbar.:0141:

Wer glaubt, dass ein Designer-Shirt, -Hose, -Unterwäsche nicht in einem dieser Billiglohnländer produziert (zumindest der Stoff gewebt, zugeschnitten oder vorproduziert) wird lebt wohl gedanklich in Lummerland.
Jeder weiß doch mittlerweile, dass viele Produkte nur durch den Verwaltungssitz, einnähen eines Etikettes oder Aufdrucken des Namens die jeweilige Staatsbürgerschaft bekommt.

Gruß Thomas
 
J

Jochen

Guest
#26

Da hast du nicht Unrecht, aber liegt nicht genau da das Problem, an dem unser soziales Netz?
Das sich unterbezahlte Menschen ihr Gehalt aufstocken lassen können ist ein guter Gedanke, aber genau dies Möglichkeit wird von deutschen Arbeitgebern schamlos ausgenutzt, indem sie immer mehr Jobs anbieten, die genau so ein Aufstocken unumgänglich machen.
Eine Bekannte von mir hat bereits im Verlauf eines Vorstellungsgespräches - als es um die Bezahlung ging - zu hören bekommen: "Die Bezahlung ist zwar nicht üppig aber das können sie sich ja dann vom Amt aufstocken lassen".

Gruß Thomas
Das mit unserem sozialen Netz auch Schindluder bestritten wird bestreite ich auch gar nicht, Aber weder möchte ich deswegen das "amerikanische System" hier haben noch kann ich eine ausgewogene Lösung für uns hier in D präsentieren, die sowohl die berechtigten Forderungen der arbeitenden (und zahlenden) Bevölkerung ausreichend berücksichtigt wie die derjenigen, die auf das soziale Netz angewiesen sind.
Und Schmarotzer, die bestehende Lücken in existierenden Systemen (egal welcher Art) ausnutzen gibt es wohl in jedem System. Fraglich nur ob das ein Fehler im System ist oder nicht vielmehr ein "Defekt" im sozialen Gewissen der Täter bzw. mangelnde soziale Ächtung und Verfolgung. Solange man es legitim findet alles mitzunehmen was irgendwie geht, so lange wird es auch solche Leute geben.....

Wenn jemand eine praktikable Lösung für diese Missstände hat: Meine Stimme hat er.
 

Florian B.

Well-Known Member
#27
... ich wäre bei einer Vermischung der Themen 'Arbeitsbedingungen bei WalMart' und 'Produktion in Billigstlohnländern' sehr vorsichtig. Das sind zwei ganz verschiedene Paar Schuhe.
 

Manny

Well-Known Member
#28
Ich wüsste jetzt nicht was an den Walmart Arbeitsbedingungen so schlimm ist, daß man den Laden boykottieren muss. Ich glaube auch nicht, daß es den Leuten dort weiterhilft wenn keiner mehr dort einkauft.

Wer sich ein bischen mit Weltwirtschaft und Produktionskosten/Arbeitsbedingungen beschäftigt erkennt die hier beschriebenen Probleme in jedem Land, sogar in D. Man muss nur hinschauen.

Der ganze Kapitalismus wie er im Moment betrieben wird ist perfide. Für die einen sind es neue tolle Finanzprodukte, für die anderen unerträgliche Wetten auf Lebensversicherungen......

Wer kauft denn bei WM ein? Eine aufstrebende Unterschicht, die versucht durch die Einsparungen etwas weiter hochzurücken. Um ein paar Dollars zu haben mit denen sie ein I-Phone von Apple kaufen, welches unter wirklichen menschenunwürdigen Bedingungen in China erzeugt worden ist:0041:.

Mir persöhnlich gefällt der Publix um Welten besser als der Walmart. Allerdings schmeckt mir der Oak Leaf Red Wine für 2,99 im WM fast genausogut wie der Californische Red Wine von Fetzer für 6,99 von Publix:0053:. Der Oak Leaf war übrigens an Weihnachten ausverkauft. Die Lage in der USA scheint sich zu verschlimmern:0025:
 
J

Jochen

Guest
#29
Wo steht denn das man WM boykottieren muss? Dazu ist doch niemand aufgefordert worden, es sind lediglich dort herrrschende Arbeitsbedingungen aufgezeigt worden. Und nur weil das woanders auch nicht überall besser ist macht das die nZustände bei WM doch nicht einen Deut besser :0025:

Muss Gerda sich jetzt rechtfertigen, weil sie Prinzipien hat an die sie sich hält? Wäre das nicht wünschenswert wenn das mehr Leute tun würden?

Ich hab stellenweise das Gefühl, dass die Verhältnisse bei WM oder sonstwo verteidigt werden nur weil wir nicht alle eine solche Konsequenz aufbringen und uns indirekt damit rechtfertigen wollen warum wir trotz dieses Wissens weiter dort einkaufen weil uns nur der Preis interessiert.....

Wenn ich die Einstellung habe: "Hauptsache billig, egal wer im Endeffekt für den Preis bezahlt", dann sollte ich auch dazu stehen - Empathie und soziales Gewissen ist heute ja nicht mehr unbedingt für jeden erstrebenswert, viele leben ja nach dem Motto "nach mir die Sintflut". Das hat es immer gegeben und wird es immer geben - aber die sollten doch diejenigen zumindest in Ruhe lassen, die eine andere Sichtweise nicht nur vertreten sondern auch leben.
Ich wünschte, ich hätte diese Konsequenz immer..... Ich habe auch schon oft genug bei WM eingekauft, werde das aber mit diesem Wissen bei meinen nächsten Besuchen dort vermutlich reduzieren so wie ich hier in D auch sehr sellten bei Aldi oder Lidl einkaufe. Immer denke ich da auch nicht immer dran und alle Fälle dieser Art kenne ich sicher genausowenig wie Gerda - aber selbst wenn man es nur um 10 oder 20% einschränkt ist das doch schon besser als gar nichts zu machen. Es gibt doch nicht nur Schwarz und Weiß - und weil ich vielleicht Weiß nicht immer hinbekomme ist das doch kein Grund Schwarz als akzeptabel zu deklarieren. Das ist mir zu einfach.

Just my 2 cents.
 

CCmyhomeplace

Well-Known Member
#30
Wäre pure Verzweiflung für Dich ein nachvollziehbares Motiv? Hier hat im Sommer in Kenwood ein neuer Walmart eröffnet, und die sind von Bewerbern geradezu überrannt worden: Florida hat eine faktische (nicht offizielle) Arbeitslosenquote im Bereich von 25 bis 30%. Und Arbeitslosengeld und Sozi werden in den USA anders als in Deutschland nicht unbegrenzt ausgezahlt. Hier ist das Arbeitslosengeld meist auf sechs Monate beschränkt (in Deutschland ist es, wenn ich nicht irre, mindestens ein Jahr), und die Sozi hat für Erwachsene eine "Lebenszeitbeschränkung" auf fünf Jahre. Wer also im Verlauf seines Erwachsenenlebens bereits fünf Jahre Sozi bezogen hat, der guckt in die Röhre (das ist ein Relikt der Clinton-Zeit, leider). Was sollen die Leute denn machen, wenn die Stellen rar sind und kein Geld da ist und außer Walmart niemand einstellt?
Eben das meine ich. Bin da ein wenig zwiegespalten. Einerseits stehe ich unserem sozialen System kritisch gegenüber, weil es Menschen, die das Auskommen mit Hartz IV der Arbeit zu schlechten Bedingungen vorziehen, irgendwo unterstützt. Und glaube mir, das ist keine BILD-genährte Meinung, sondern ich weiß durch meine Freundin (arbeitet bei der ArGe), dass es solche Fälle tatsächlich zuhauf gibt. Andererseits versetzt eben das Fehlen bzw. die Beschränkung eines solchen Systems in den USA Arbeitgeber wie Walmart erst in die Lage, ihre Beschäftigten derart auszunutzen. Weißt Du dazwischen den idealen Mittelweg? Ich nicht :dont:

Mit dem Rest beschäftige ich mich später. Mein Arbeitgeber will mich früh um acht wieder an meinem Platz sehen - wofür er zum Glück besser zahlt als Walmart oder McD :0141: Aber ich gebe zu, dass ich im nächsten Urlaub mal überlegen werde, wo ich meine Lebensmitteleinkäufe erledige.
 
J

Jochen

Guest
#33
Zumal sich nicht jeder einen Einkauf im Publix leisten kann.
Ich behaupte jetzt einfach mal: Jeder, der sich einen Florida-Urlaub leisten kann könnte sich auch den Einkauf bei Publix leisten - sind ja keine Preise wie bei Feinkost Käfer.... Ob man es denn will steht auf einem anderen Blatt.

Außerdem gibt es ja nun noch jede Menge anderer Alternativen, nicht nur Publix und Walmart......
 

Janinho

Mr. Miami
Sponsor
#35
Ich behaupte jetzt einfach mal: Jeder, der sich einen Florida-Urlaub leisten kann könnte sich auch den Einkauf bei Publix leisten - sind ja keine Preise wie bei Feinkost Käfer.... Ob man es denn will steht auf einem anderen Blatt.

Außerdem gibt es ja nun noch jede Menge anderer Alternativen, nicht nur Publix und Walmart......
Genau ;), CVS, Wallgreens...
 

mikemc

Well-Known Member
#37
Vor allem aber gibt es in Deutschland ein steuerfreies Existenzminimum, soweit ich informiert bin, während in den USA schon der erste verdiente Dollar versteuert werden muss.
Das ist falsch. Schau Dir mal Pub.17 vom IRS an - liegst Du unterhalb einer bestimmten Einkommensgrenze, brauchst Du offensichtlich nicht mal eine Steuererklaerung abzugeben.
 

Airwulf

Moderator
Mitarbeiter
#38
Ich behaupte jetzt einfach mal: Jeder, der sich einen Florida-Urlaub leisten kann könnte sich auch den Einkauf bei Publix leisten
Damit hatte ich auch nicht die Touristen gemeint,sondern einen allgemeinen Boykott in den USA.

Weil,mich würde mal interessieren,ob es in den Staaten auch so eine kontroverse Diskussion über WM gibt wie hier im Forum.
Oder diskutieren wir hier etwas,was in den USA keinen stört.

Leider hab ich hier bis jetzt noch keine Berichte über WM gelesen,gehört oder gesehen.(hatte ich bis jetzt auch nicht gesucht)

Jedenfalls wußte ich bis jetzt nichts über die fehlende Krankenversicherung und die vorhandene(menschenverachtende) Lebensversicherung zugunsten WM.

Rainer
 

Ariel

Well-Known Member
#39
Damit hatte ich auch nicht die Touristen gemeint,sondern einen allgemeinen Boykott in den USA.

Weil,mich würde mal interessieren,ob es in den Staaten auch so eine kontroverse Diskussion über WM gibt wie hier im Forum.
Oder diskutieren wir hier etwas,was in den USA keinen stört.

Leider hab ich hier bis jetzt noch keine Berichte über WM gelesen,gehört oder gesehen.(hatte ich bis jetzt auch nicht gesucht)

Jedenfalls wußte ich bis jetzt nichts über die fehlende Krankenversicherung und die vorhandene(menschenverachtende) Lebensversicherung zugunsten WM.

Rainer
Ja, auch in den USA wird das Thema Walmart kontrovers diskutiert und das schon seit Jahrzehnten. Viele Leute boykottieren Walmart und auch viele Gemeinden wollen Walmart nicht in ihrer Nähe haben und wehren sich gegen mögliche geplante Walmart Geschäfte. Das sind natürlich Gegenden, die sich das auch leisten können. In strukturschwachen Regionen sieht das anders aus.

Man sollte aber Publix und Walmart nicht vergleichen. Walmart ist ein Discounter und sein Hauptgeschäft liegt nicht im Lebensmittelbereich. Es verfügen nicht mal alle Walmarts über eine richtige Lebensmittelabteilung, aber alle Walmarts bieten eine kleine Ecke mit lange haltbaren Lebensmitteln wie Dosen, Cookies, Crackers, Getränke und ein Kühlregal mit Milch und Kaffeesahne. Das ist in etwa das Lebensmittelsortiment eines Drogeriemarktes wie Walgreens und CVS. Weitere Discounter sind Target und K-Mart. Target behandelt seine Mitarbeiter besser, K-Mart weiss ich nicht.

Ich kaufe aber schon seit Jahren nicht mehr bei Walmart ein.
 

Gerda

Well-Known Member
#40
Das betrifft aber nicht nur Wal Mart dass die in Billigstlohnländern herstellen lassen .... da gibt es noch ganz viele Ketten die das tun ...
Ja, die gibt es natürlich. Aber nicht alle tun das unter derart schlimmen Bedingungen für die Arbeiter. Aber unabhängig davon muss ich ja solche Ketten generell nicht unterstützen, wenn mich niemand zwingt. In Deutschland gibt es doch diese unsägliche Textilbilligkette, deren Namen ich immer vergesse (Beiname: der „Textil-Diskont“), die auch unter extrem schlechten Bedingungen in Fernost produzieren lassen. Da würde ich beispielsweise auch niemals einkaufen.
Ich tippe, dass wir dann in 90% der im Outlet bzw. in den Malls von uns favorisierten Shops nichts mehr kaufen dürften.
Da könntest Du richtig liegen. Ich hatte für mich den Beschluss, nichts mehr zu kaufen, das aus diesen Billiglohnländern kommt (sofern es sich vermeiden lässt), vor ungefähr drei Jahren gefasst. Vorher hatte ich schon "Made in Hochlohnland" bevorzugt, aber seit ca. drei Jahren bin ich doch recht radikal geworden. Die meisten Klamotten, die mir im Laden auf dem Bügel gefallen, muss ich seitdem sofort zurückhängen. Wenn ich mir aber überlege, dass ich damit aber wirklich wertvolle Arbeitsplätze in Hochlohnländern schütze, in denen die Textilindustrie ja beinahe schon ausgestorben ist, dann fällt mir das nicht schwer. Ich gebe das Geld dann auch lieber für ein handgefertigtes Einzelstück von Etsy aus als für ein Massenprodukt aus Fernost, bei dem ich $50 oder $100 für das amerikanische Markenlabel bezahle.
Es gibt aber weiterhin durchaus Firmen, die Textilien in den USA anfertigen. "American Apparel" beispielsweise oder "Romeo&Juliet" oder "7 For All Mankind".
Ich wüsste jetzt nicht was an den Walmart Arbeitsbedingungen so schlimm ist, daß man den Laden boykottieren muss.
"Man" muss das nicht. Ich tue das. Aber "man" bekommt ein ganz gutes Bild davon, warum Leute wie ich das tun, wenn sie sich den Film "High Cost of a Low Price" einfach mal anschauen würden.
Ich glaube auch nicht, daß es den Leuten dort weiterhilft wenn keiner mehr dort einkauft.
Es hülfe der US-Wirtschaft insgesamt, wenn dort keiner mehr einkaufen würde. Walmart trägt zur Verarmung ganzer Landstriche bei. Es ist beispielsweise interessant, wenn man sich mal anschaut, wie die Quote derjenigen, die Sozialhilfe benötigen, auf einmal ansteigt, wenn sich ein Walmart im Landkreis niederlässt. In einem der Links, die ich weiter oben eingestellt hatte, ist - glaube ich - eine der Studien verlinkt, die solche Zusammenhänge aufzeigen.
Wer sich ein bischen mit Weltwirtschaft und Produktionskosten/Arbeitsbedingungen beschäftigt erkennt die hier beschriebenen Probleme in jedem Land, sogar in D. Man muss nur hinschauen.
Man kann es eben nicht mit Deutschland gleichsetzen, denn in Deutschland ist nun mal jeder krankenversichert, jeder hat ein Anrecht auf bezahlte Urlaubs- und Krankentage, jeder, der in einem Betrieb ab einer Mitarbeiterzahl X arbeitet, hat ein Anrecht auf Vertretung durch den Betriebsrat etc.
Wer kauft denn bei WM ein? Eine aufstrebende Unterschicht, die versucht durch die Einsparungen etwas weiter hochzurücken. Um ein paar Dollars zu haben mit denen sie ein I-Phone von Apple kaufen, welches unter wirklichen menschenunwürdigen Bedingungen in China erzeugt worden ist
.
Nee Du, so einfach ist das m.E. nicht. Bei Walmart kaufen eben - leider - alle ein. Also nicht alle = 302 Millionen, sondern alle = alle sozialen Schichten. Geiz ist ja nun mal geil. Angeblich.
Immer denke ich da auch nicht immer dran und alle Fälle dieser Art kenne ich sicher genausowenig wie Gerda - aber selbst wenn man es nur um 10 oder 20% einschränkt ist das doch schon besser als gar nichts zu machen. Es gibt doch nicht nur Schwarz und Weiß - und weil ich vielleicht Weiß nicht immer hinbekomme ist das doch kein Grund Schwarz als akzeptabel zu deklarieren. Das ist mir zu einfach..
Das sehe ich im Grunde genauso. Immer geht’s ja auch nicht, dass man „seinem Gewissen“ folgt. Ich mus mit beispielsweise dieses Jahr definitiv einen neuen Computer besorgen. Da werde ich um ein China-Produkt nicht herumkommen, wenn ich das recht überblicke, weil es wohl gar keine PCs mehr gibt, die nicht in China (oder anderen Billiglohnländern) hergestellt werden. Aber da, wo ich es in der Hand habe, versuche ich doch konsequent, meinem Gewissen zu folgen, wenn man so will.
Eben das meine ich. Bin da ein wenig zwiegespalten. Einerseits stehe ich unserem sozialen System kritisch gegenüber, weil es Menschen, die das Auskommen mit Hartz IV der Arbeit zu schlechten Bedingungen vorziehen, irgendwo unterstützt. Und glaube mir, das ist keine BILD-genährte Meinung, sondern ich weiß durch meine Freundin (arbeitet bei der ArGe), dass es solche Fälle tatsächlich zuhauf gibt.
Klar gibt es solche Fälle, darüber herrscht sicher Konsens. Und ich finde auch, dass einem das Leben auf Staatskosten ohne Gegenleistung schwerer gemacht werden sollte.
Andererseits versetzt eben das Fehlen bzw. die Beschränkung eines solchen Systems in den USA Arbeitgeber wie Walmart erst in die Lage, ihre Beschäftigten derart auszunutzen. Weißt Du dazwischen den idealen Mittelweg? Ich nicht
Einen idealen Mittelweg kenne ich natürlich auch nicht, aber ich muss mir um „das große Ganze“ im Sinne eines Systemumbruchs auch nicht jedes Mal Gedanken machen, wenn ich einkaufen gehe. Da kann ich einfach versuchen, „mit den Füßen abzustimmen“ und eben dorthin zu gehen und mein Geld dorthin zu tragen, wo es der Wirtschaft mehr nützt. Und das ist eben da, wo die heimische Produktion unterstützt wird, da, wo echte Wertschöpfung stattfindet.
Mit dem Rest beschäftige ich mich später. Mein Arbeitgeber will mich früh um acht wieder an meinem Platz sehen - wofür er zum Glück besser zahlt als Walmart oder McD Aber ich gebe zu, dass ich im nächsten Urlaub mal überlegen werde, wo ich meine Lebensmitteleinkäufe erledige.
:)
Ich glaube,ein Boykott wäre das letzte,was die Mitarbeiter von WM brauchen.
Der würde deren besch.... Situation noch mehr verschlechtern.
Zumal sich nicht jeder einen Einkauf im Publix leisten kann.
Ein Boykott würde vor allem der reichsten Familie des Landes schaden… Publix erkennt die Lebensmittelmarken, auf die Walmartmitarbeiter oft (in vielen Gegenden: meist) angewiesen sind, ebenfalls an, außerdem gibt’s ja nun wirklich noch andere Lebensmittelläden, die auch nicht teurer sind als Walmart. Ich nenne beispielhaft mal Aldi und Save-a-lot.

Das Problem ist doch gerade, dass wegen Walmart akzeptabel bezahlte Stellen den Bach runtergehen (weswegen sich ja einige Gemeinden auch weigern oder es zumindest versuchen, Walmart Baugenehmigungen zu erteilen). Hier beißt sich eben die Katze in den Schwanz: Die Leute (also: viel zu viele Leute) denken sich eben, Geiz sei geil und wollen ums Verrecken nur die untersten Billigstpreise bezahlen, andererseits wollen dieselben Leute aber für ihre eigene Arbeit natürlich nicht unterste Mindestlöhne kassieren, sondern anständig bezahlt werden. Und beides geht nun mal nicht. Wer immer nur auf billig-billig macht und sich weigert, gutes Geld für gute Leistungen und Waren zu bezahlen, der ist damit für die Zerstörung anständiger Jobs höchstselbst verantwortlich – und sorgt im Grunde dafür, dass er selber nur schwierig Arbeit finden wird, die gut bezahlt ist. Das betrifft natürlich auch die Mitarbeiter von Walmart, die sich quasi selber das Wasser abgraben.

Den Mitarbeitern von Walmart hülfe es, wenn Walmart pleite ginge. Denn dann würde die Restwirtschaft aufatmen und an anderer Stelle würden – voraussichtlich besser honorierte – Positionen wieder auferstehen.

Das ist falsch. Schau Dir mal Pub.17 vom IRS an - liegst Du unterhalb einer bestimmten Einkommensgrenze, brauchst Du offensichtlich nicht mal eine Steuererklaerung abzugeben.
Ich lasse mich gerne korrigieren, aber ich lese mir jetzt nicht mal eben 304 Seiten durch. Könntest Du etwas konkreter werden? Auf welcher Seite von Pub. 17 ist denn das steuerfreie Existenzminimum dargestellt? Meiner (womöglich falschen) Auffassung nach gibt es lediglich einen Pauschbetrag von $2000 als „personal deductable“ für jedermann; das sind aber Werbungskosten, sprich: Darin sind tatsächlich Auslagen enthalten. Ich persönlich zahle für jeden verdienten Dollar (abzüglich der Werbungskostenpauschale) Steuern und kann kein steuerfreies Existenzminimum geltend machen. Aber womöglich ist das bei Angestellten ja anders als bei uns Freiberuflern und ich habe da fälschlicherweise von mir auf andere geschlossen.
Weil,mich würde mal interessieren,ob es in den Staaten auch so eine kontroverse Diskussion über WM gibt wie hier im Forum.
Oder diskutieren wir hier etwas,was in den USA keinen stört.
Das wird in den USA äußerst kontrovers diskutiert. Der Walmart-Film ist eine US-Produktion. Websites wie “Walmart Watch” und „Hell-Mart“ sind US-Websites. Und in den US-Medien ist das Thema wiederkehrend präsent.
 
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